Der Fastenmonat Ramadan geht jeden Arbeitgeber an

Fasten kann die Unfallgefahr erhöhen und die Leistungsfähigkeit einschränken – gerade im Sommer. Deshalb sollten Unternehmer den muslimischen Fastenmonat in ihre Planung einbeziehen.

Ostern ist vorbei und damit auch die im Christentum bekannte Fastenzeit: So bezeichnen die Katholiken hierzulande den 40-tägigen Zeitraum des Fastens und Betens zur Vorbereitung auf das Osterfest. Wobei man der Ehrlichkeit halber zugeben muss, dass viele Gläubige es mit der reduzierten Nahrungsaufnahme nicht so genau nehmen – wirklich rituelles Fasten, das machen vermutlich die wenigsten.

Der Fastenmonat Ramadan geht auch den Arbeitgeber an

Ganz anders sieht das auch in Deutschland ab Ende Mai aus – dann beginnt der Ramadan, die muslimische Fastenzeit. Hier geht es einen Monat lang nicht nur um etwas Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol oder Smartphone-Nutzung, so wie ihn viele während der christlichen Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag einlegen. Wenn Muslime fasten, dürfen sie in der Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und nicht trinken – nicht einmal Speichel schlucken. Weil viele Gläubige die religiösen Regeln konsequent einhalten, müssen sich Unternehmer vorausschauend mit dem Thema beschäftigen, damit die reduzierte Nahrungsaufnahme kein Problem bei der Arbeit wird. Gerade in körperlich belastenden Berufen, so „handwerk magazin“, sollten Firmenchefs die muslimische Fastenzeit in ihre Planungen einbeziehen.

Volle Arbeitspflicht bei beschränkter Leistungsfähigkeit

Natürlich müssen Arbeitnehmer ihrem Unternehmen grundsätzlich auch während des Ramadan ihre gesamte Arbeitskraft zur Verfügung stellen, so sieht es das Bürgerliche Gesetzbuch vor. Vielen dürfte das aber kaum gelingen. Nicht nur, dass Muslime während des Ramadan den ganzen Tag über nichts zu sich nehmen dürfen – gerade an den ersten Tagen kann dies zu Befindlichkeitsstörungen führen, hat mir mal die fastende Mutter eines Kindergartenfreundes meines Sohnes erklärt. Zudem leiden sie oft noch unter Schlafmangel, weil sie nach Sonnenuntergang bis spät in die Nacht zusammen essen und daher meist weniger schlafen als sonst.

Unfallgefahr am Bau, bei Vielfahrern und Maschinenführern

Jedem Arbeitgeber sollte klar sein: Von Ende Mai bis Ende Juni – der Ramadan dauert dieses Jahr von 27. Mai bis 25. Juni – kann sich bei Beschäftigten muslimischen Glaubens vor allem durch körperliche Anstrengung oder Hitze die Konzentrationsfähigkeit verringern, und ihre Leistung kann abfallen. Wer das nicht berücksichtigt, riskiert Arbeitsunfälle oder laugt einen Beschäftigten eventuell so aus, dass der krankgeschrieben werden muss. Weil der Ramadan-Zeitraum wandert, wird erst 2020 wieder im vergleichsweise kühleren April bis Mai gefastet. Gedanken machen sollten sich Arbeitgeber insbesondere über die Schwerarbeiter, etwa am Bau oder am Fließband – und mit Blick auf die Unfallgefahr auch über fastende Vielfahrer oder Maschinenführer. Problemlos dürfte der Einsatz im Büro sein.

Schichtplanänderungen auch den Kollegen erklären

Firmenchefs müssen mit Blick auf den Ramadan also jetzt schon überlegen, ob ein fastender Mitarbeiter andere Aufgaben übernehmen, punktuell nacharbeiten oder besser Urlaub einreichen sollte. Dafür ist ein persönliches Gespräch unabdingbar. Nicht nur, dass sich so am besten eine praktikable Lösung finden und sozialverträglich auch den Kollegen erklären lässt, etwa bei erforderlichen Schichtplanänderungen. Das Gespräch ist schon deshalb erforderlich, weil sich nur dadurch herausfinden lässt, wer während des Ramadan wie konsequent fastet. Kopftuch und Religionszugehörigkeit reichen nicht als Indiz.

Toleranz und gute Planung helfen durch den Ramadan

Rechtlich stehen Arbeitgeber mit Blick auf die Arbeitspflicht der Beschäftigten zwar grundsätzlich gut da. Sie könnten sogar – falls eine bessere Lösung nicht funktioniert – für nicht erbrachte Arbeitsleistung notfalls das Entgelt kürzen. Rechtlich geht das – doch dieses Gürtel-enger-Schnallen für die muslimischen Mitarbeiter ist unter Juristen umstritten. Auf Vertragserfüllung durch den fastenden Mitarbeiter bestehen sollten Arbeitgeber besser auch nicht. Abmahnung oder sogar eine personenbedingte Kündigung kommen nicht in Betracht, wenn der Grund für das Leistungshindernis vorübergehend ist, wie typisch beim Ramadan in den Sommermonaten. Hierzu hat das Bundesarbeitsgericht bereits recht klar für Religionsfreiheit entschieden. (Az.: 2 AZR 636/09).

Außerdem wäre es in Zeiten des Fachkräftemangels keine gute Idee, sich von ansonsten hoch motivierten und qualifizierten Mitarbeitern nur wegen eines kurzzeitigen Leistungsabfalls im Ramadan zu trennen. Toleranz und vorausschauende Planung sind bestimmt die bessere Alternative.